Die Straße als Bühne - Der Workshop

Ein Resümee

Braucht man einen Fotografie-Workshop? Eine Frage, die sich mir an sich nie stellte. Natürlich ist dieses beim Einzelnen stets abhängig von Seminarinhalt, Erwartungen, dem Referenten, den Kosten und auch dem Ziel, welches man verfolgt... bei der Ausübung seiner Fotografie.

Als ich von diesem 7-Tage-Workshop erfuhr, war ich eigentlich spät dran. Der 1ste war sofort ausgebucht; es hieß 16 Teilnehmer, überwiegend Journalisten. Als man mich anrief, wurde ich gefragt, ob ich noch Interesse an diesem Workshop hätte. Ich bejahte... und kam auf die Warteliste, für den 2ten Workshop. Nach Monaten des Wartens flatterte dann eine Teilnahmebestätigung ins Haus... und ich war dabei.

Bei Bekanntgabe über meine sozialen Netzwerke kamen "Sprüche" (mal wieder) wie... "Brauchst Du den denn?", "kannst doch selber einen Workshop machen" usw. usw.

Vorweg: Ich wollte unbedingt dahin. Ich wollte wissen, wie der Referent, Herr Prof. Rolf Nobel, die Straßenfotografie (in Deutschland) "sieht", was für ihn überhaupt Straßenfotografie ist... und was nicht. Und ich wollte auch, das er tagtäglich meine "Werke" zerpflückt. Ich wollte dazulernen. Gnadenlose Kritik... keine "Effekthascherei" wie in vielen Foren (-gruppen) des sozialen Netzwerkes.

Dann kam ich in die Räumlichkeit des verdi-Bildungswerkes. Er gab mir die Hand, ich stellte mich ihm mit Nachnamen vor... und er: "Ich bin Rolf". Immerhin: Er war der erste Professor, den ich nach gefühlten 2 Sekunden duzen durfte. Ein "Hamburger Jung" halt.

Und dann haben wir losgelegt... ab dem Tag 1. Angesagt war, dass jeder bei Beginn ein paar Streetfotos mitbringen sollte, die dann auch während der persönlichen Vorstellung über den Beamer liefen. Überrascht war ich hierbei darüber, dass viele Teilnehmer bisher wenig bis kaum Streetfotos gemacht hatten. Das sollte sich aber im Verlaufe der Woche deutlichst ändern!

Nach Vorstellung des Seminarablaufes sowie einem allgemeinen Vortrag über die Erklärung des Begriffes "Street Photography" sowie auch der Entstehung, Entwicklung und Zukunft der Straßenfotografie sowie wichtigen rechtlichen Aspekten bestanden die nächsten Tage fast ausschließlich aus dem (freien) Fotografieren auf der Straße (vormittags), einem anschließenden "Editieren" der eigenen Bilder am mitgebrachten Notebook unter Anwesenheit des Referenten (nachmittags) und den anschließenden, sehr ausführlichen Bildbesprechungen eines jeden einzelnen Fotos der Seminarteilnehmer (teilweise bis zum späten Abend).

Und hierbei kamen sie dann: Wertungen wie "langweilig" und "gemäßigt langweilig", "kein Street, eher ein Arbeits-/Reportagefoto" oder auch (und das war einer meiner Lieblingskommentare) "ästethisch schön, aber kein Street". Aber da musste man jetzt durch... und zwar eine ganze Woche lang.

Man hat schnell bemerkt, was für ihn, dem Referenten, Straßenfotografie ist: Menschen! Menschen, die eine sog. "Interaktion" zeigen. Hierbei meist gut: Ein dargestellter "Bildwitz". Er betonte oft, nicht in den "Rücken von Personen" zu fotografieren. Man sollte auch versuchen, wenn Menschen etwas mit ihren Händen tun, dieses klar und deutlich fotografisch herauszuarbeiten. Man sollte auch stets auf Körperhaltung, Mimik und Gestik der "Protagonisten" achten. Und immer schlecht: Schriften im Foto, beispielsweise wie auf Werbeplakaten von Geschäften und Fahrzeugen (störende Ablenkung vom Hauptmotiv). Suboptimal meist auch: Der Augenkontakt des Fotografierten zum Fotografen, z. B. bei "Reihungen" (einer Ansammlung von mindestens 3 Personen). Auch sollte bei fotografierten Personen (-gruppen) unbedingt darauf geachtet werden, das die dargestellten Gesichter nicht unnötig durch (andere) Gesichter oder Gegenstände verdeckt werden.

Hach... Straßenfotografie kann doch so einfach sein! Und mehr habe ich mir auch irgendwie nicht behalten.

Bis zum vorletzten Tag sollte sich ein jeder seine für "ordentlich" befundenen Werke gemerkt haben... denn diese wurden jetzt allesamt ausgedruckt und nochmals, am Abschlusstag, durchgesprochen. Nochmals kamen die Themen wie dem richtigen Beschnitt und der Bildwirkung von Farbe bzw. SW aufs Tableau. Von den gezeigten Fotos wurde jetzt nochmal die "Tops" rausgesucht und diskutiert... vom Referenten und der Teilnehmergruppe. Mit Hinweis auf Wahrung von Persönlichkeitsrechten im Falle von öffentl. Publikationen wurden die Fotos den jeweiligen Teilnehmern mitgegeben. Die Vorgehensweise dieser schon fast "etappenartigen" Bildbesprechungen gefiel mir sehr.

Wie auch am Einführungstag ging es am letzten Tag zu einem gemeinsamen Essen.

Meine Erwartungen wurden letztendlich vollends erfüllt. Habe mir sehr viele Notizen gemacht, musste im Verlaufe der Woche zuhause viel "ergoogeln"... denn es fielen u. a. auch Namen wie Philip-Lorca diCorcia, Carl-Heinz Hargesheimer (Chargesheimer) und Gabriele und Helmut Nothhelfer. Auch muss ich an dieser Stelle (mal wieder) meinen Amazon-Warenkorb erwähnen... denn es lagen im Verlaufe der Woche doch einige interessante, (von Teilnehmern) mitgebrachte Literaturempfehlungen in Form von Bildbänden zur Street Photography auf dem "Lehrerpult".

Mein Dank gilt dem Bildungswerk ver.di Hannover/Hildesheim (mit dem Team rund um den Michael Dunst), dem Referenten "Rolf" und dieser tollen Teilnehmergruppe, die sehr harmonierte und wie "Arsch auf..." zusammenpasste.

Es war wirklich eine empfehlenswerte Angelegenheit!

 

Bis dahin!