Die Sache mit der Kreativität

Mehr Kreativität, bitte!

Wenn man sich selbst einmal reflektiert, sich die eigenen Streetfotos der letzten Jahre anguckt, sie vielleicht auch mal ausdruckt, nebeneinanderlegt und vergleicht... kommt man zu dem Ergebnis, dass man kreativer geworden ist? Hat sich an den eigenen Fotos etwas verändert? Erkennt man einen eigenen Stil? Und soll man dann diesen beibehalten oder doch kreativer werden, kreativer fotografieren, andere Sachen ausprobieren?

Wie war oder ist das überhaupt bei mir?

Ich kann nicht behaupten, dass ich als kleiner Junge gerne gemalt oder gezeichnet habe (zumindest kann ich mich nicht mehr daran erinnern!). Kreativität habe ich vermutlich mal auf dem Fußballplatz gezeigt, damals, in Ostfriesland. Kreativ war ich aber, Mittel und Wege zu finden, mein tägliches Pausenbrot (oft belegt mit faserigem Schinken) auf elegante Art und Weise zu entsorgen. Ganz zu schweigen von den vielen kreativen Accessoires, die an meinem Bonanzarad angebracht waren (ich frage mich heute noch... wieso 2 Außenspiegel, an einem einzigen Fahrrad?).

Und später, im Beruf?

Kreativität, im Polizeiberuf? Mittlerweile habe ich über 30 Jahre Dienstjahre auf dem Buckel, davon 20 Jahre bei der Kripo… musste oder muss ich da in irgendeiner Weise kreativ sein? Irgendwie nicht... denn da ist nur noch Erfahrung gefragt.

Ist denn jetzt, in meinen Fotoarbeiten, Kreativität zu entdecken?

Das lasse ich andere entscheiden, mache mir darüber keinen Kopf. Ich habe aber im Laufe der Jahre meiner Straßenfotografie schon oft zu mir gesagt:

 - lass' dieses Motiv jetzt mal links liegen

- fotografiere das nicht, gab es schon zu oft

- will doch keiner mehr sehen

- kümmer' Dich mal um andere Sachen/Projekte

- werde kreativer

Dieses erkannt zu haben bezeichne ich schon als (m)eine Stärke.

 Habe ich (fotografische) Schwächen?

Selbstverständlich... wenn man es denn als solche bezeichnen kann. Ich beherrsche es z. B. nicht, in Ebenen hinein zu fotografieren. Es gibt bei mir kaum bis wenig Fotowerke mit visueller Tiefe oder Fluchtpunkten u. ä. Bei mir ist in puncto der Visualität meiner Fotos schnell das Ende der Fahnenstange erreicht... da ist irgendwann die Wand, ein Geländer o. ä. Die „Geschichte im Bild“ bzw. die bestimmenden Bildelemente befinden sich in einer Tiefe von kaum mehr als 3-5 Metern. Ich weiß es... kann und will es aber auch irgendwie nicht ändern. Warum? Weil es andere viel besser können, ganz einfach!

Aber vielleicht ist genau das mein Stil.

Vermutlich sind die Anfänge meiner Fotografie, die Still- und insbesondere auch die Architekturfotografie, der Grund dafür, dass in meinen Fotos eine gewisse „Grundordnung“ herrscht, alles auf den Punkt sauber komponiert, so elendig scharf und akkurat abgebildet ist.

Der „fotografierende Beamte“... (hätte ich das jetzt bloß nicht geschrieben!).

In den letzten Jahren habe ich viele Straßenfotografen erlebt, die irgendwann satt und müde waren... vielleicht auch, weil sie annahmen, sowieso schon alles fotografiert zu haben. Man merkte es ihnen an, insbesondere an ihren Werken. Ihre Kreativität war zu Neige gegangen.

Bei mir soll es keinen Stillstand geben, leiste mir aber auch meine „künstlerischen Pausen“.

Ich bin schon lange an einem Punkt angelangt, wo ich nicht jeden Tag 2-5 Fotos ins Netz stellen muss, denn: Ich stehe nicht unter Druck und muss nicht unbedingt abliefern. Die Qualität meiner Fotos würde auch flöten gehen, ebenso die Selbstreflektion, die ich als sehr wichtig erachte.

Jeder soll es natürlich mit der Steigerung seiner Kreativität so halten, wie er meint… es geht aber in der (Straßen-)Fotografie beileibe nicht nur darum, in der Facebook-Gruppe „World-of-Dingsbumms“ so ne Plakette zu bekommen, dieses dann auf seine eigenen FB-Seite zu teilen, um mitzuteilen, dass man gerade mit einem ziemlich beknackten Foto einen der größten Fotopreise der Welt gewonnen hat.

Man steigert seine Kreativität auch nicht damit, bei einem Fotowalk mitzulaufen, bei dem man vielleicht seine Buddyliste ein wenig aufpimpen kann, aber im Grunde genommen eh' nichts lernt (wenn da nicht gerade ein guter Fotograf dabei ist, der in den letzten Jahren herausragende Fotos abgeliefert hat, über jede Menge Erfahrung verfügt und Lust hat, diese weiterzugeben!).

Mittlerweile ist es ja schon sogar so, dass selbsternannte „Fotoexperten“ einen eigenen You-Tube-Kanal betreiben, sogar gegen Entgelt Fotoworkshops geben, aber noch nie ein gutes Streetfoto gemacht haben. Aber sollen sie alle machen... mit ihrer „Steigerung der Kreativität“.

Wie steigere ich denn nun meine Kreativität?

Seit zig Jahren habe ich diese unbändige Lust, coole Streetfotos zu machen. Wenn ich mir meine Amazon-Bestellliste aus den letzten 2 Jahren so angucke... oh Himmel, was habe ich mir für viele Bildbände gekauft (aber nicht zum „ins-Regal-stellen“ und haben wollen; nein, zum Reingucken!).

Ich bin ein großer Fan der amerikanischen New Color Photography... ich liebe die Arbeiten von Fred Herzog, Saul Leiter, Joel Sternfeld und Stephen Shore (hach, dieser „Rote Bulli“... den würd' ich mir an die Wand hängen!).

Mittlerweile besuche ich sogar Ausstellungen (hab' ich früher auch nicht gemacht!)... beispielsweise die Deichtorhallen in Hamburg, das Ausstellungshaus C/O in Berlin, das Sprengel-Museum und die GAF-Eisfabrik in Hannover. Wenn mich was brennend interessiert... da kümmer' ich mich, da muss ich dann hin!

Ausstellungstermine hole ich mir aus der PHOTONEWS... für mich eines der besten Magazine auf dem deutschen Markt. Auch versuche ich schon seit Jahren, meine größeren Fotoprojekte auf andere Art und Weise Interessierten näherzubringen... mittels eBooks.

Und was ist in der Zukunft bei mir in Planung?

Mein Close-Up-Projekt mit der Ricoh GR, meine 5er-Miniprojekte „Give Me Five!“ und hoffentlich bald der nächste Test einer Kamera für ein dt. Fotomagazin (der Entscheid hierüber steht noch aus!). Gespannt bin ich auch auf den 1. Fotomarathon in Hannover am 09.09. diesen Jahres... 12 Stunden, 12 Themen, 12 Fotos. Unter thematischen Vorgaben und mit einem gewissen Zeitdruck Fotos machen... ohne die normal üblichen, späteren Hilfsmittel wie Photoshop, Lightroom und Co.

Das wird meine Kreativität fördern.

Und zum Schluß noch eines:

 

Nicht jeder muss meine Kreativität mögen… aber ich bemühe mich!

 

Bis dahin!